Was ist Yield Farming: Definition und Anwendung in DeFi [2023]

Ein Blick auf das 2022 investierte Kapital zeigt deutlich, dass sich immer mehr Anleger für ein Investment in mindestens eine DeFi-Anwendung entscheiden. Decentralized Finance (DeFi) ist ein wahrer Megatrend im Blockchain-Bereich und wird in Zukunft mit Sicherheit noch weiter wachsen.

Ein beliebtes Teilgebiet der DeFi ist das Yield Farming. Obwohl das Interesse an Yield Farming auf der einen Seite grenzenlos wächst, stellen sich auf der anderen Seite einige Anleger noch heute die Frage, was es mit diesem Trend tatsächlich auf sich hat.

Dieser Beitrag zeigt auf, was Yield Farming in der Praxis bedeutet und welche Chancen und Risiken für Anleger mit diesem Trend verbunden sind.

Yield Farming: Rendite und Zinsen mit Crypto

Yield Farming stellt eine Möglichkeit dar, durch das Anlegen von Kryptowährung und Token ein passives Einkommen zu generieren. Diese Methode bietet potenziell sehr hohe Renditen - was vor allem im mindestens genauso hohen Risiko begründet ist, dass sogenannte Farmer beim Yield Farming eingehen.

Was ist Yield Farming?

Yield Farming ist eine Praxis im Krypto-Sektor, bei welcher Anleger versuchen, die höchstmögliche Rendite mit ihrem zur Verfügung stehenden Kapital zu erzielen. Im Krypto-Bereich gibt es mehrere Wege, um Belohnungen und Zinseinnahmen zu generieren. Die wichtigsten Formen sind:

  • Borrowing
  • Lending
  • Staking
  • Liquidity Mining

Jede Investmentart bringt unterschiedliche Erträge ein. Beim Yield Farming geht es grundsätzlich darum, die verschiedenen Arten so zu kombinieren, dass eine hohe Rendite erzielt und das Risiko dabei so gering wie möglich gehalten wird.

Wie funktioniert Yield Farming?

Beim Yield Farming geht es im Grunde darum, mit den verfügbaren Krypto-Holdings möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Dafür greifen Yield Farmer auf das Borrowing, Lending, Liquidity Mining und Staking zurück.

Im weitesten Sinne basiert Yield Farming auf dem Prinzip der Opportunitätskosten. Es lässt sich sehr gut am Beispiel der Landwirtschaft beschreiben: Über das ganze Jahr verteilt baut ein Landwirt verschiedene Pflanzen auf seiner Farm an. Die Ernte, die maßgeblich für seinen Erfolg ist, erfolgt nach mehreren Monaten der harten Arbeit.

Sobald die Erntezeit beginnt, sprechen Landwirte von Erträgen. Ein Ertrag wird direkt in das Verhältnis zum angebauten Gut gesetzt. Bedeutet: Je größer der Ertrag bei einem bestimmten Input, desto höher ist auch die erzielte Rendite. Im Englischen wird ein Ertrag auch als Yield bezeichnet. Daher ergibt der Begriff Yield Farming durchaus Sinn.

Dementsprechend deutlich dürfte nun sein, was sich hinter dem Begriff Yield Farming verbirgt: Die Farmer im Krypto-Bereich sind Anleger, die ihre Coins (Saat) in unterschiedlichen Plattformen (Feld) anlegen, um eine maximale Rendite (Ernte) zu erwirtschaften.

Beim Yield Farming handelt es sich um eine Investmentstrategie für den DeFi-Markt, mit welchem Anleger einen festen oder variablen Zinssatz verdienen können.

Nutzung von Smart Contracts

Yield Farming kombiniert die gängigen DeFi-Anwendungen mittels Smart Contracts. Dabei handelt es sich um Computer-Protokolle, die Verträge abbilden, überprüfen oder die Verhandlung bzw. Abwicklung eines Vertrages technisch unterstützen können.

So legen Yield Farmer ihre individuellen Konditionen (wie z.B. den finanziellen Rahmen) fest und lassen die Smart Contracts mit dem Ziel, die maximale Rendite zu erwirtschaften, untereinander interagieren.

Die Rolle von Liquiditätsanbietern und Liquiditätspools

Liquiditätsanbieter sind jene Personen, die einem Liquiditätspool Geld hinzufügen.

Unter einem Liquiditätspool versteht man einen großen Geldbetrag, gegen welchen Trader handeln können. Für die Bereitstellung von Liquidität erhalten Liquiditätsanbieter Gebühren aus den Geschäften, die innerhalb ihres Pools stattfinden.

Yield Farming: Plattformen & Anbieter

Mittlerweile gibt es einige Plattformen, die sich für das Yield Farming eignen. Die folgenden 3 Yield Farming-Plattformen haben sich als besonders praktisch herausgestellt:

1. Aave

Bei Aave handelt es sich um ein dezentrales Protokoll für die Kreditaufnahme und -vergabe. Hier können Anleger Erträge durch das Verleihen von Kapital erwirtschaften. Für die investierte Kryptowährung erhalten Kreditgeber sogenannte aToken, die umgehend nach der Einzahlung mit dem Erwirtschaften einer Verzinsung beginnen.

2. Balancer

Balancer verfolgt einen etwas anderen Ansatz als Aave. Balancer ist keine Lending-Plattform, sondern ein sogenannter Liquidity Pool bzw. Market-Maker. So bietet Balancer die Möglichkeit für Anleger, einen Liquidity Pool mit Assets zu versorgen und dessen Liquidität zu steigern. Im Gegenzug erhalten Anleger eine Rendite.

3. Binance

Binance gehört weltweit zu den beliebtesten und sicherlich größten Krypto-Börsen und bietet Anlegern eine Vielzahl an Yield Farming-Möglichkeiten. Bei Binance sind unter anderem Lending, Borrowing, Staking und Liquidity Mining möglich. So genießen Anleger bei dieser Börse ein hohes Maß an Flexibilität und können das Yield Farming ganz nach ihren eigenen Wünschen gestalten. Binance zeichnet sich nicht nur durch das große Yield Farming-Angebot aus, sondern besticht zudem mit vergleichsweise niedrigen Gebühren und einer einfachen Bedienbarkeit der Plattform.

Chancen und Risiken von Yield Farming

Auch Yield Farming bringt neben den hohen Renditeaussichten einige Herausforderungen mit. Es lohnt sich deshalb, einen Blick auf Chancen und Risiken des Yield Farmings zu werfen.

Chancen von Yield Farming

Die Chancen des Yield Farmings scheinen fast unendlich. Speziell in der Anfangszeit des Yield Farmings konnten Anleger enorm hohe Renditen erwirtschaften. Damals war es keine Seltenheit, dass sich die Renditen bei potenziell über 100 Prozent pro Jahr beliefen.

Die hohen Renditemöglichkeiten ergeben sich vor allem dadurch, dass der DeFi-Bereich bisher keinen effizienten Markt darstellt. So kann es Anlegern gelingen, schlaue Strategien zu entwickeln, mit denen sich Ineffizienzen ausnutzen lassen. Gelegentlich sind so auch hohe Renditen zu geringen Risiken möglich. Da sich der DeFi-Sektor jedoch immer höherer Beliebtheit erfreut, wird es immer schwieriger, derartige Setups zu finden.

Risiken des Yield Farmings

Wie auch andere Anlagemöglichkeiten kann Yield Farming für jene gefährlich werden, die die Fallstricke nicht kennen.

  • Ein größeres Risiko beim Yield Farming kann zum Beispiel darin bestehen, dass es zu Änderungen innerhalb der Protokolle kommt. Das können beispielsweise die Veränderungen von Staking Rewards sein. Solche Änderungen können dazu führen, dass eine ausgeklügelte Strategie nicht bloß nicht mehr rentabel ist, sondern im schlimmsten Fall gar nicht mehr funktioniert.
  • Zudem besteht im Bereich des Borrowings das Risiko der Liquidation. Bedeutet: Die Sicherheit des Kreditnehmers wird liquidiert, weil das Verhältnis zwischen Kreditsumme und Sicherheit unter einen festgelegten Wert fällt. Und zum Schutz des Kreditgebers kommt es in einem solchen Fall zu einer Liquidation.
  • Auch verschiedene technische Risiken machen das Yield Farming sehr riskant. In der Vergangenheit gab es bereits Fälle, in denen Liquiditätspools angegriffen wurden oder es bei Smart Contracts zu Fehlern kam.

Ist Yield Farming sicher?

Trotz der hohen Renditeaussichten geht mit dem Yield Farming gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Anleger einher.

Das liegt vor allem an folgenden potentiellen Problemen:

  • Risiken eines Angriffs auf einen Liquidity Pool
  • Liquidation von Krediten
  • Fehler in Smart Contracts
  • Einfache Änderungen in der Reward-Struktur der jeweiligen Protokolle

Ist Yield Farming reguliert?

Grundsätzlich existiert kein gesetzlicher Anlegerschutz, weil der DeFi-Bereich nicht wirklich reguliert ist.

Große Yield Farming-Anbieter setzen auf verschiedene Sicherheitsmechanismen, um die Risiken zu minimieren: Einige Anbieter erlauben zum Beispiel nur Kreditgeschäfte, bei denen die Kredite zu mehr als 100% abgesichert sind. Auf diese Weise soll das Risiko von Kreditausfällen reduziert werden.

Auch Versicherungen sind gerade für große Anbieter eine Maßnahme, die im Falle von Verlusten durch Hackerangriffe oder Kreditausfälle greift. Häufig decken diese Versicherungen jedoch nur einen bestimmten Teil der möglichen Verluste ab.

Yield Farming vs. Staking - die Unterschiede

Yield Farming ist eine Form des Investments, bei der Anleger möglichst hohe Renditen erzielen wollen und dafür auf verschiedene Anlageformen, wie das Borrowing, Lending, Liquidity Mining und Staking, zurückgreifen. Es geht beim Yield Farming somit darum, unterschiedliche Investmentarten zu nutzen, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Eine dieser Investmentarten ist das Staking.

Beim Staking stellen Krypto-Holder einem Netzwerk ihre Coins zur Verfügung. So sorgen sie für mehr Stabilität im Netzwerk und die Bestätigung von Transaktionen. Dafür erhalten sie im Gegenzug die Staker-Belohnung in Form von Coins. Damit stellt das Staking eine Methode von vielen dar, um mit Kryptowährung ein passives Einkommen zu erzielen.

Während das Yield Farming eine Kombination aus vielen verschiedenen Methoden ist, um die maximale Rendite zu erzielen, kann es sich beim Staking um einen Teil der Yield Farming-Strategie handeln.

Yield Farming oder Staking - was ist besser?

Yield Farming kann für Neuinvestoren viel Zeit und tägliche Recherche bedeuten. Zwar bietet Staking potenziell weniger Gewinne, erfordert dafür aber nicht die ständige Aufmerksamkeit eines Anlegers.

Letztendlich kommt es darauf an, welche Art von Anlage ein Investor tätigen möchte und wie gut sich dieser im DeFi-Bereich auskennt.

Dominik Schneeberger

Marketing Director